Alles zum neuen Facebook-Algorithmus: Retten Sie Ihre Reichweite!

Der Facebook-Algorithmus ändert sich wieder – Unternehmen müssen bald noch mehr organische Reichweite einbüßen. Zwar weiß noch keiner, wann das Update mit voller Wucht in Deutschland ausgerollt wird, doch schon geht die Panik um. Bevor auch Sie den Kopf verlieren, erklären wir, was es damit auf sich hat, was das für Ihr Social Media Marketing bedeutet und was nun zu tun ist, um die Reichweite zu steigern.

Anfang Januar passierte etwas, das in der Branche einschlug wie eine Bombe – quasi die nukleare Kernschmelze der sozialen Medien: Mark Zuckerberg von Facebook kündigte größere Änderungen am Newsfeed an, die es Unternehmen zukünftig noch schwerer machen werden, bei Facebook ihre relevanten Zielgruppen organisch zu erreichen. 

Nicht nur, dass Unternehmer seit Jahren Probleme haben, bei Facebook eine nennenswerte Reichweite zu erzielen. Wer heute über sechs Prozent seiner Fans erreicht, der kann sich schon glücklich schätzen – der Durchschnitt liegt bei zwei Prozent. Was das heißt, kann sich jeder selbst ausrechnen: weniger Interaktion mit den Beiträgen, weniger Klicks, langfristig weniger Konversionen und Leads.

Für viele war schon der Tiefpunkt erreicht. Aber nein, nun macht es Facebook den Unternehmern sogar noch schwieriger. Das gibt natürlich erstmal großes Geschrei. “Jetzt kommt auch noch der Zuckerberg und nimmt uns das letzte Bisschen organische Reichweite weg!”, krähen Social Media Manager und Marketingbeauftragte allerorts entrüstet.

Der neue #Facebook-Algorithmus schränkt die Reichweite von Unternehmen weiter ein. Retten Sie Ihre Reichweite jetzt! Klick um zu Tweeten

Aber ist die Entrüstung gerechtfertigt? Ist wirklich alles so aussichtslos, wie die Branche aktuell am Unken ist? Müssen Social Media Manager nun den Hut nehmen und nach Sibirien auswandern, um dort Ziegen zu züchten? Was können wir gegen die weiterhin drastisch sinkenden Reichweiten tun?

Bevor jetzt alle die Pferde scheu machen: Lassen Sie uns das mal genauer beleuchten. Was ist eigentlich passiert, das die Branche so in Aufruhr geraten ist?

 

 

Ein Feed, sie zu knechten …

Im Oktober 2017 begann Facebook, einen sogenannten Entdecker-Feed zu testen. Zukünftig sollten Beiträge von Unternehmen nur noch hier ausgespielt werden. Die war Aufregung groß: Einige prophezeiten einen Newsfeed komplett ohne organische Reichweite, andere sprachen gar von der Facebook-Apocalypse.

Tatsächlich liefen in der Slowakei, Sri Lanka, Serbien, Bolivien, Guatemala und Kambodscha Tests, bei denen Seitenbeiträge überhaupt nicht mehr im Newsfeed angezeigt wurden, sondern ausschließlich im Entdecker-Feed. Der Newsfeed blieb stattdessen den Posts von Freunden, Gruppenbeiträgen und gesponserten Anzeigen vorbehalten. Aus der Slowakei wurde daraufhin von massiven Reichweiteverlusten bei Medienpublikationen berichtet, in Kambodscha traf es vor allem kleinere lokale Unternehmen.

 

Das hiesige Geschrei war allerdings wohl etwas voreilig, denn offiziell kündigte Facebook schnell an: Die Tests waren nur Tests. Einen Plan, diese Änderungen global auszurollen, gibt es bis heute nicht. Tatsächlich wurden die Tests inzwischen eingestellt: Der Entdecker-Feed hat sich nicht bewiesen und wird dementsprechend nicht global ausgerollt.

Nichtsdestotrotz werden sich zukünftig einige Dinge ändern. Anfang des Jahres wurde nämlich der Facebook-Algorithmus umgekrempelt. Das hat Mark Zuckerberg höchstpersönlich verkündet:

 

[…] But recently we’ve gotten feedback from our community that public content — posts from businesses, brands and media — is crowding out the personal moments that lead us to connect more with each other.

[…] Based on this, we’re making a major change to how we build Facebook. I’m changing the goal I give our product teams from focusing on helping you find relevant content to helping you have more meaningful social interactions.

[…] The first changes you’ll see will be in News Feed, where you can expect to see more from your friends, family and groups.

As we roll this out, you’ll see less public content like posts from businesses, brands, and media. And the public content you see more will be held to the same standard — it should encourage meaningful interactions between people.

 

(Frei übersetzt: “[…] Aber seit kurzem erhalten wir Feedback von der Community, dass öffentlicher Content – Posts von Unternehmen, Marken und Medien – die persönlichen Momente verdrängt, die uns miteinander in Kontakt bringen. […] Deshalb nehmen wir eine große Veränderung daran vor, wie wir Facebook gestalten. Ich gebe unseren Produktteams nun vor, sich nicht mehr darauf zu fokussieren, relevanten Content für euch zu finden, sondern euch zu helfen, bedeutungsvollere soziale Interaktionen zu haben. […] Die ersten Änderungen dazu werdet ihr im Newsfeed feststellen, wo ihr zukünftig mehr von euren Freunden, eurer Familie und Gruppen sehen werdet. Während wir dies ausrollen, werdet ihr weniger öffentlichen Content von Unternehmen, Marken und Medien sehen. Und der öffentliche Content, den ihr seht, muss den gleichen Anspruch erfüllen – er sollte dazu führen, dass zwischen Menschen wertvolle Interaktionen entstehen.”)

 

Kollektive Schnappatmung, die Zweite.

Ist die Panik gerechtfertigt? Werfen wir einen Blick darauf, welche Konsequenzen diese Änderungen für Sie und Ihr Marketing haben – oder haben könnten.

 

 

Was ändert sich also?

Schon seit Jahren sieht nicht jeder Facebook-Nutzer mehr alle Beiträge von allen Seiten, denen er ein Like geschenkt hat. Sonst hätte er, wenn er nicht gerade 48 Stunden am Tag mit der Nase am Bildschirm kleben würden, ohne zu blinzeln, nämlich keine Chance, alle Beiträge auch tatsächlich zu lesen.

Der Facebook-Algorithmus versucht längst, für die Nutzer besonders interessante Beiträge herauszufiltern. Was interessant ist, wird anhand bestimmter Signale entschieden – zum Beispiel, wie viele Menschen einen Beitrag liken, ihn kommentieren oder sogar teilen.

In Zukunft werden Beiträge stärker favorisiert, die bedeutende, sinnstiftende Interaktionen hervorrufen. Einerseits werden also Posts von Freunden und Familie stärker priorisiert. Andererseits wird der Algorithmus jetzt stärker darauf ausgerichtet vorherzusagen, zu welchen Posts Sie sich mit Ihren Freunden austauschen werden. Diese erscheinen dann höher im Feed. Und mit “austauschen” ist hier nicht gemeint “@herrmeier @fraumüller lol”, sondern zum Beispiel eine angeregte Debatte über die Kommentarfunktion.

Der #Facebook-Algorithmus fördert Beiträge, die zum Kommentieren anregen. Engagement Baiting wird dagegen abgestraft. Heißt für die meisten: Umdenken! Klick um zu Tweeten

Fernsehserien, deren treue Fans auf den offiziellen Facebookseiten Theorien zum Verbleib ihrer Lieblingscharaktere diskutieren, müssen sich also keine Sorgen machen. Seiten, die bisher auf Taktiken wie “Markiere einen Freund, der auch so einen dicken Bizeps hat” setzen, dürften dagegen bald in die Röhre schauen.

Der Platz im Newsfeed ist nämlich begrenzt. Insgesamt kündigt Facebook deshalb an: Es wird zukünftig weniger Content von Unternehmen und Marken im Newsfeed angezeigt, damit mehr Platz für die persönlichen und die gesponserten Beiträge ist. Richtig gelesen: Bezahlte Reichweite ist nämlich nach wie vor zu haben.

Unternehmen, die nicht investieren, können also erwarten, dass die organische Reichweite, die durchschnittliche Dauer der Videowiedergabe und der Referral Traffic, den die Webseite über Facebook erhält, zurückgehen werden. Dabei sind Facebook-Seiten, deren Beiträge generell wenig Interaktion generieren, am stärksten betroffen.

Heißt unterm Strich: Es werden weiterhin Beiträge von Unternehmensseiten im Newsfeed auftauchen – aber wesentlich weniger als bisher, und sie werden nach strengen Kriterien gefiltert.

 

 

Angriff aus dem Nichts?

Naja.

Wer eben aufmerksam mitgelesen hat, wird vielleicht schon gemerkt haben: Priorisiert werden im Newsfeed nicht nur die Beiträge aus dem persönlichen Freundeskreis, sondern auch gesponserte Beiträge.

Als der Konzern vor einigen Jahren anfing, den Handlungsspielraum für Unternehmen auszubauen, die Plattform für werbliche Zwecke zu nutzen, war die Freude groß. Man versprach sich kostenlose Reichweite, direkten Kontakt zu den Fans, Flüsse aus Honig und Ambrosia.

Und irgendwie hat sich diese Einstellung bis heute nicht so recht geändert. Schon als 2012, 2013 die ersten Einschränkungen kamen und für Reichweite nun bezahlt werden musste, folgte der Aufschrei prompt. Und auch jetzt werden wieder offene Briefe an Zuckerberg geschrieben, in denen er als Manager “entlarvt” wird, dem es allein um die Gewinnmaximierung geht.

Frank Zimmer formuliert dagegen sehr pointiert: “Es gibt kein Grundrecht auf Traffic.” Cornelia Dlugos setzt noch eins drauf: “Heult nicht, sondern macht was!” Reichweite muss man sich eben verdienen.

 

Sehen wir den Tatsachen ins Auge:

Erstens: Facebook ist kein Wohltätigkeitsverein, der sich aus altruistischer Herzensgüte dafür einsetzt, in unseren digital entfremdeten Zeiten für mehr menschliches Miteinander zu sorgen – im Gegenteil. Facebook ist ein milliardenschweres Unternehmen (um es genau zu nehmen, der Börsenwert liegt aktuell bei sage und schreibe über 300 Milliarden Dollar). Und wenn man dort nicht stetig an neuen Möglichkeiten der Monetarisierung arbeiten würde, wäre man schön blöd.

Und zweitens: Facebook wurde ursprünglich nicht als Distributionskanal für Medien, sondern soziales Netzwerk konzipiert. Zwischenzeitlich ist es aber mehr oder weniger zur Werbeplattform mutiert. Die neuesten Änderungen sind eigentlich wieder ein Schritt in Richtung mehr “social” statt “media”. Vielleicht gar kein dummer Schachzug angesichts der Tatsache, dass private Nutzer seit Jahren immer weniger auf Facebook posten. Womöglich möchte man tunlichst vermeiden, den gleichen Weg wie damals MySpace zu gehen (nämlich den in die ewige Versenkung), und versucht deswegen, das eigentliche Kerngeschäft zu stärken.

#Facebook ist kein altruistischer Wohltätigkeitsverein, der für mehr menschliches Miteinander sorgt, sondern ein Großkonzern mit Gewinnerzielungsabsicht. Klick um zu Tweeten

Meinung hin oder her – Fakt ist: Damit müssen wir jetzt klarkommen. Unternehmen müssen sich auf die Änderungen einstellen. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen, die bisher noch auf Facebook setzten, um relativ günstig ihre Zielgruppen zu erreichen, werden sich jetzt eine neue Strategie überlegen müssen.

Also Ärmel hoch und alles neu? Sprechen wir am besten erstmal ein Wort der Warnung aus.

 

 

Was jetzt tunlichst zu vermeiden ist

Beiträge, die Interaktionen zwischen Freunden fördern, werden jetzt also priorisiert. Der eine oder andere Social Media Manager könnte jetzt auf die Idee kommen: Wenn wir also besonders viele Leute dazu kriegen, in den Kommentaren ihre Freunde zu taggen, dann sind wir ja bestens versorgt.

Die Idee ist aber nicht neu – und Facebook hat bereits den Riegel vorgeschoben. Schon im Dezember 2017 wurde angekündigt, dass sogenanntes “Engagement Baiting” jetzt abgestraft wird. Bisher galt die Faustregel: Je höher die Interaktion mit einem Post, desto mehr Reichweite bekam er. In der Folge wurde der Newsfeed von spam-artigen Beiträgen überschwemmt, die einzig und allein darauf abzielten, einen Kommentar, Like oder Share provozieren.

Wer also versucht, seinen Fans auf Biegen und Brechen eine Reaktion zu entlocken und dabei … sagen wir mal, recht durchschaubare Taktiken anwendet, der gewinnt im Newsfeed längst keinen Blumentopf mehr. Solche Taktiken sind zum Beispiel

  • Vote Baiting: “LOL! Schaut euch diese vier Hunde mit lustigen Frisuren an und sagt uns in den Kommentaren, welcher am albernsten aussieht!”
  • Reaction Baiting: “Gebt uns ein LIKE, wenn euer Sternzeichen Waage ist, ein LOVE, wenn es Skorpion ist, und ein WOW, wenn ihr für Weltfrieden seid!”
  • Share Baiting: “Teilt dieses Foto auf zwölf Profilen, um vielleicht einen Porsche zu gewinnen!”
  • Tag Baiting: “Markiere einen Freund, der auch immer Leg Day skippt!”

 

Merke: Die neuen Änderungen wollen “bedeutsame, wertvolle Interaktionen” hervorrufen. Es ist nun aber weder bedeutsam, unter welchem Sternzeichen man geboren wurde (pardon, liebe Esoteriker da draußen), noch Freunde zu markieren, die mal wieder eine Kniebeuge machen sollten.

Engagement Baiting setzt auf oberflächlichen, reißerischen Content. Diese Art von Beiträgen wird zukünftig immer seltener im Newsfeed angezeigt. Und Seiten, die regelmäßig solche Taktiken anwenden, werden insgesamt abgestraft. Ohnehin wird dadurch die “falsche” Art von Interaktion begünstigt: Der Algorithmus wertet jetzt Beiträge auf, die lange, ausführlichere Kommentare erhalten.

 

Und ja, das waren bisher Standardmethoden, mit denen man seine Reichweite schnell und einfach steigern konnte. Diese Taktiken sollte aber jeder professionelle Social Media Manager und alle, die es werden wollen, ab sofort aus seinem Repertoire streichen. Zusammen mit den Änderungen im Explorer-Feed wird es damit immer schwerer, seine Fans über Facebook zu erreichen.

Wie erreicht man sie aber nun? In der Branche werden aktuell mehrere Ansätze diskutiert – um die soll es jetzt gehen.

 

 

Gibt es ein Leben nach Facebook?

Tief durchatmen. Die Facebook-Apokalypse bleibt also erstmal aus. Unternehmen können hier weiterhin eine sehr große Zielgruppe erreichen. Wenn Sie bisher für Ihr Marketing auf Facebook zählen, sollten Sie sich trotzdem lieber frühzeitig mit den Änderungen des Algorithmus auseinandersetzen.

Was also tun?

 

1. Geld investieren

Wir erzählen es jedem, der es hören will, und auch allen anderen schon seit Jahren: Social Media Marketing ist nicht umsonst. Und es ist auch nicht billig. Vielleicht sehen das jetzt auch diejenigen ein, die soziale Netzwerke immer noch als kostenloses Werbe-Gimmick gesehen haben. Spätestens jetzt muss der Werbekanal Facebook wie jeder andere auch mit barem Geld bezahlt werden.

Wer also seine Reichweite bei Facebook steigern will, der muss zukünftig wohl oder übel auf Facebook-Werbung setzen. Bezahlte Beiträge landen weiterhin im Newsfeed. Hier sollten Sie allerdings nicht aus der Hüfte schießen, sondern strategisch vorgehen: Was ist das Ziel der Kampagne? Welche Zielgruppe wollen Sie erreichen? Welche Inhalte müssen Sie dazu präsentieren? Auf welche Landingpage wollen Sie die User leiten?

Viele Experten empfehlen das Bewerben von Beiträgen, die auf Ihrer Seite besonders viel Reichweite erzielen konnten. Auch mit Remarketing, also beworbene Beiträge an Nutzer auszuspielen, die bereits Ihre Webseite besucht haben, lassen sich gute Ergebnisse einfahren.

Konzipieren Sie Facebook-Kampagnen unterm Strich genauso, wie Sie das auch bei der Investition von Werbebudget an anderer Stelle machen würden. Wer Facebook-Werbung planvoll einsetzt, der hat damit nach wie vor ein mächtiges Tool an der Hand, sein Publikum gezielt anzusprechen. Und nach wie vor ist das bei Facebook günstiger, als das Gleiche zum Beispiel bei AdWords zu probieren.

 

2. Mehrere Kanäle einsetzen

Facebook ist nicht die einzige Möglichkeit, im Internet Reichweite zu erzeugen. Wer bei der Distribution von Content bisher alles auf dieses eine Pferd gesetzt hat, kann zwar vermutlich nicht über Nacht aufholen – aber immerhin: Es gibt noch Mittel und Wege.

Instagram zum Beispiel hat in den letzten Jahren verstärkt Möglichkeiten für Unternehmen geschaffen, hier Marketing zu betreiben. Die jüngeren Zielgruppen erreicht man heute ohnehin vor allem bei Snapchat. Und auch YouTube kann eine Option sein, vorausgesetzt es traut sich ein Mitarbeiter vor die Kamera und/oder an den Schnitt.

Am wichtigsten ist aber nach wie vor die eigene die Webseite. Letztendlich konvertieren die Kunden hier, nicht auf Facebook. Klar: Über Facebook sollten die Besucher zur Seite finden. Aber schaut man sich aktuelle Zahlen an, hat Google das soziale Netzwerk als Trafficquelle inzwischen wieder überholt.

Wer also auf gut optimierten Content inklusive einer soliden Distributionsstrategie setzt, die verschiedene soziale Medien mit einschließt, der braucht sich insgesamt wenig Sorgen zu machen, dass nach den jüngsten Änderungen bei Facebook der gesamte Traffic wegbricht.

 

3. Eine eigene Facebook-Gruppe aufbauen

Newsfeed-Chef Adam Mosseri sagt es selbst: Zukünftig werden im Newsfeed immer mehr Beiträge aus Facebook-Gruppen angezeigt. Die passen auch perfekt ins neue Muster, denn sie generieren einen direkten Austausch unter den Gruppenmitgliedern – das ist ja schließlich das, wofür Gruppen da sind. Inzwischen können auch Seiten Gruppen erstellen, sodass Marken die Möglichkeit haben, aus ihren Fans eine richtige Community zu machen.

Eins muss aber klar sein: Gruppen sind nicht die neuen Seiten. Wer eine Gruppe erstellt und diese dann mit irrelevantem Content oder Werbung überschwemmt, hat den Schuss nicht gehört. Hier geht es tatsächlich um den direkten Austausch mit anderen Nutzern.

Und zwar in der Regel zu einem spezifischen Thema. Wenn Sie eine Gruppe erstellen, sollte sich darin also alles um Ihr Kernthema drehen, nicht um Ihr Unternehmen an sich. Liefern Sie Ihren Fans inhaltliche Anregungen und stehen ihnen mit Ratschlägen zur Seite – damit beweisen Sie Expertise und zeigen, dass Ihnen Ihre Community am Herzen liegt.

 

4. Live-Videos senden

Lange Zeit konnte man mit Videos bei Facebook noch wesentlich mehr Reichweite generieren als mit einem Beitrag, der ein Bild oder – welch Horror! – sogar nur Text enthielt. Das wird sich allerdings auch ändern: Der neue Newsfeed priorisiert Videos nicht mehr. Sie werden nämlich hauptsächlich passiv konsumiert, statt einen Austausch zwischen Nutzern anzustoßen.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Live-Videos. Sie erhalten einen wesentlich höheren Anteil an Kommentaren als normale Videos, die hauptsächlich Likes und Wows bekommen. Man kennt das wahrscheinlich von sich selbst: Wenn man mit einigen Leuten vor dem Fernseher sitzt, bleibt das Geschehen auf dem Bildschirm auch nicht unkommentiert.

Live-Videos sind zugegeben eine kleine Herausforderung. Sie brauchen ein Thema, einen Mitarbeiter, der sich zeigen mag, und am besten ein technisches Equipment, mit dem Sie gute Aufnahmen machen können (wobei auch ein hemdsärmeliger Smartphone-Mitschnitt aus Ihrem Büro einen gewissen Charme hat). Aber sie lohnen sich. Vergessen Sie nur nicht, Ihren Live-Auftritt vorher entsprechend anzukündigen. Wäre schade, wenn außer Ihnen niemand online ist.

 

5. Einen Messenger-Bot einsetzen

Verstärkt ist in der letzten Zeit zu beobachten, dass sich die Art und Weise ändert, wie soziale Medien benutzt werden. Der Austausch bewegt sich zunehmend von der öffentlichen Sphäre hin zur privaten – heißt zum Beispiel: Nutzer posten weniger bei Facebook, wo jeder zuschauen kann, und schreiben mehr bei WhatsApp, wo sie unter sich sind.

Schon seit Anfang 2015 wachsen die Nutzerzahlen der großen Messenger-Apps stärker als die der sozialen Netzwerke. Und wo wir gerade bei Zahlen sind: Die typische Öffnungsrate bei E-Mails liegt bei rund 20 Prozent. Die Öffnungsrate von Facebook-Nachrichten liegt dagegen bei 98 Prozent. Wenn Unternehmen diesen Kanal also gekonnt einsetzen, sind Privatnachrichten eine Goldmine.

Jetzt hat nicht jeder genug Personal, um sämtliche Nachrichten persönlich zu beantworten, die bei Facebook eingehen. Dafür gibt es aber Messenger-Bots, also Programme, die automatisch zurückschreiben oder Neuigkeiten via Messenger an die Abonnenten versenden. Mithilfe einiger kommerzieller Dienste lässt sich so ein Bot recht schnell aufsetzen.

Das einzige, was man dazu braucht, ist ein findiger Texter, der es schafft, dem Bot eine möglichst nahbare und menschliche Stimme zu verleihen. Oder die Stimme Ihres Maskottchens. Oder die Stimme Ihres berühmten Testimonials. Mark Schaefer spricht hier von “Conversation Marketing” – Ihrer Kreativität sind jedenfalls keine Grenzen gesetzt. Je unterhaltsamer es ist, mit Ihrem Bot zu schreiben, desto mehr Leute werden das tun.

 

6. Die eigene Zielgruppe extrem gut kennen

Engagement Baiting auf Facebook funktionierte deshalb so gut, weil es im Prinzip jeden und keinen ansprach. Auf das Thema Sternzeichen und lustige Hundefrisuren kann jeder Nutzer reagieren, aber das emotionale Investment liegt bei null. Ist der Beitrag aus dem Bildschirm rausgescrollt, hat man ihn sofort vergessen.

Die neuen Richtlinien für Content, der im Newsfeed auftaucht, sollen das ändern. Bedeutsame Interaktionen möchte man jetzt sehen. Der Begriff ist zwar recht diffus (wer definiert, was bedeutsam ist, und woran wird Bedeutsamkeit gemessen?), aber unterm Strich wird klar: Publisher müssen ihre Zielgruppe jetzt sehr genau kennen, um Content zu entwickeln, der hier eine Resonanz erzeugt.

Und damit ist nicht nur gemeint: durchschnittliches Alter, durchschnittliches Einkommen, Männlein oder Weiblein. Es muss darüber hinaus auch klar sein, was diese Zielgruppen wirklich bewegt.

Denken Sie zum Beispiel über folgendes nach:

  • Welches Problem hat die Zielgruppe? Vor welcher Herausforderung stehen sie? Worüber zerbricht sie sich den Kopf? Was hält sie nachts wach?
  • Welche Motivation hat die Zielgruppe? Was will sie erreichen? Was treibt sie an? Worauf strebt sie zu? Wovon träumt sie?
  • Was findet die Zielgruppe unterhaltsam? Womit verbringt sie ihre Freizeit? Womit beschäftigt sie sich aus eigenem Antrieb? In was fuchst sie sich so richtig hinein?
  • Und vor allem: Wozu hat Ihre Zielgruppe etwas zu sagen? Wozu kann und will sie mal so richtig in die Tasten hauen?

Wenn Ihr Content einen dieser Aspekte berührt, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, dass er Ihr Zielpublikum für einen Moment zum Innehalten bringt. Klar: Es wird jetzt mehr Arbeit, einen richtig guten Beitrag zu erstellen. Aber Reaktionen, die auf diese Weise entstehen, sind viel nachhaltiger als nur ein schneller müder Lacher und bringen Ihnen damit ohnehin mehr.

Der Facebook #EntdeckerFeed kommt. Wer rechtzeitig umdenkt, hat wenig zu befürchten. Jetzt heißt es: Gruppen und Bots, bezahlte Anzeigen, und v. a. verschiedene Plattformen nutzen. Klick um zu Tweeten

 

Und die Moral von der Geschicht’ …

Ja, Facebook ist drauf und dran, uns die Reichweite weiter zu beschneiden. Zeit also, ans Reißbrett zurückzukehren, um die eigene Social-Media-Strategie zu aktualisieren. Denn noch sind nicht Hopfen und Malz verloren: Wer bereit ist, Werbebudget zu investieren, hat bei Facebook weiterhin die Möglichkeit, das eigene Publikum gezielt anzusprechen. Messenger-Bots, Live-Video und Gruppen sind weitere Optionen, das größte soziale Netzwerk der Welt im eigenen Onlinemarketing zu verankern.

Die Updates sind allerdings auch ein Weckruf für alle, die bisher auf Facebook als Marketing-Fundament gesetzt haben. Allerspätestens jetzt sollte jedem klar werden, dass eine solide Strategie verschiedene Plattformen mit einbezieht und auch den eigenen Blog inklusive SEO nicht außer Acht lässt.

Letztendlich bedeutet der Umschwung auch: Wenn Sie Ihre Zielgruppe sehr gut kennen, sind Sie jetzt klar im Vorteil. Nur dann können Sie Content erstellen, der auch wirklich Resonanz erzeugt. Und damit brauchen Sie sich schlussendlich auch vorm Entdecker-Feed nicht zu fürchten.

Neue Beiträge schicken wir Ihnen auch gern per Mail!

Über den Autor

Lea Gallon
Lea Gallon
Leitung Digitales Marketing und Kommunikation - Ideen und Texte mit Sinn und Verstand, ohne Rechtschreibfehler.

keine Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Cookie-Einstellung

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns die Möglichkeit geben, ein paar anonymisierte Daten zu sammeln. Bitte treffen Sie eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe.

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.
  • Nur First-Party-Cookies zulassen:
    Nur Cookies von dieser Webseite.
  • Keine Cookies zulassen:
    Es werden keine Cookies gesetzt, es sei denn, es handelt sich um technisch notwendige Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutzerklärung.

Zurück