Gut organisiert ist halb gewonnen: Recap der OMK 2018

Spannende Vorträge, lockere Atmosphäre und überhitzte Hörsäle – das war die OMK 2018 in Lüneburg. Gespannt, müde, aber glücklich und Ahoj-Brause-trunken – das waren wir. Doch alles der Reihe nach! Ein Teil des elsch&fink-Teams hat sich am 27.09.2018 auf dem Campus der Leuphana-Universität unter das Volk gemischt und jede Menge Eindrücke und Erkenntnisse aus den Vorträgen mitgenommen.

Die Online Marketing Konferenz 2018: Die harten Fakten

Die OMK fand dieses Jahr zum siebten mal in Folge statt und wird von der Leuphana Universität Lüneburg und der ortsansässigen Agentur web-netz veranstaltet. Mehr als 40 Speaker hielten rund 30 Vorträge in vier Hörsälen. Das bedeutete ein straffes Programm von 9:00 Uhr bis kurz vor 19:00 Uhr. Und anschließend lockte noch die Afterwork-Party!

Für uns hieß das: Zehn Vorträge in zehn Stunden. Da blieb kaum Zeit zum Durchatmen, die kurzen Pausen benötigten wir zum Stillen der Grundbedürfnisse: Trinken, Essen, Toiletten und ein kurzes Sonnenbad an der frischen Luft. Vor allem letztere war dringend notwendig, da es in den Hörsälen mehr als heiß und stickig war und das Problem löste sich auch erst kurz vor Feierabend, als die Lüftungsanlage eingeschaltet wurde. Aber wie heißt es so schön: Erst loben, nicht mit der Kritik anfangen! Also zurück zu den Fakten.

Über 1000 Anmeldungen zur OMK zeugen von dem starken Interesse am Thema Onlinemarketing, bei dem der Fokus der OMK dieses Jahr auf dem Thema Digitalisierung lag. Ein buntes Potpourri aus Speakern aus Wissenschaft und Wirtschaft hat uns mitgenommen in eine Welt der Insights, Best Practices und großartigen Anekdoten.

Die Keynote: Brand Persona statt Zielgruppen – und Vincent van Gogh

Mit Prof. Dr Klemens Skibicki von profski.com zum Thema “Digitalisierung – mehr Kopfsache als Technologien?” eröffnete sich unmittelbar nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Burkhardt Funk von der Leuphana Universität, Patrick Pietruck, dem Geschäftsführer von web-netz und dem quirligen Moderator Aljoscha Höhne ein Feuerwerk an Erkenntnissen.

Wir wissen nun, dass es lohnenswert ist, sich nicht nur auf KPIs zu versteifen, denn laut Skibicki sind diese nur eine nette Abkürzung für “Wie viele Menschen haben wir angeschrien?”. Außerdem sollten Unternehmen in ihrer Strategie stattdessen den Empfehlungen von Holger (aus dem Plenum) auf der Gartenparty vertrauen. Den Kunden zuhören und einbinden – und das bitte in Echtzeit. Als Best Practice diente hier ein Beispiel von einem Hotel, dass ihm tatsächlich sein berühmtes “Profskigedeck” (bestehend aus Käsekuchen und Kölsch) samt Kicker-Zeitschrift ins Zimmer gelegt hat.

Markenkern: Wer bin ich als Marke?

Für Skibicki lautete die wichtigste Frage: Wer bin ich als Marke? Als Lösung empfahl er Brand Personas statt Buyer Personas und langen Zielgruppenanalysen. Diese Botschaft des Markenkerns tauchte später in dem Vortrag von Christopher Spall erneut auf. Die Behauptung, dass es keine Zielgruppe gibt, war im Laufe des Tages des Öfteren Thema. So zum Beispiel beim Vortrag von Adrienne Becker und Anna Marquardt von web-netz. Sie gaben in Ihrem Vortrag zum Thema “Content Marketing – alter Hut oder heißer Shice?” zu, dass sie in dieser Hinsicht nicht ganz mit dem Keynote-Speaker übereinstimmen.

Worin sich jedoch alle mit Klemens Skibicki einig waren? “Früher haben die Maler auch Selbstbildnisse und Stillleben mit Früchten gemalt – heute gibt’s eben Selfies und Posts mit dem Mittagessen auf allen Kanälen!”. Sprach es und projizierte Vincent van Gogh mit Duckface und Handy an die Wand. Solche Momente beschreiben die Stimmung der OMK 2018 sehr gut: locker, lebendig, gerade deshalb langanhaltend informativ.

Viel Input, straffer Zeitplan: Die OMK 2018

Conversions und Customer Profiling, “ohne dass Menschen einen hassen”

Ähnlich unterhaltsam ging es bei Nils Kattau zu, der uns kurz und knackig sieben Conversion-Tipps servierte. Auch hier durften wir als Publikum viel mitmachen, die Hand heben und Fragen beantworten. So fühlten wir uns einmal mehr in Uni-Zeiten versetzt: im großen Hörsaal, mit viel Humor und praxisnahen Tipps statt trockenem Frontalunterricht. Wir haben gelernt, wie man Overlays auf Webseiten geschickt platziert, “ohne dass Menschen einen sofort hassen” und wie man die Eigenschaften eines Produktes in Vorteile umwandelt.

Wie Nutzer zu Kunden werden, hat uns David Cordes von der Otto Group ebenfalls anschaulich aufbereitet. Obwohl das Thema “Customer Profiling & Customer Identity Management” eher trocken klingt und es tatsächlich um einen Berg von Daten ging, war es dennoch wieder einmal interessant zu sehen, wie viele Vorgänge hinter jeder Onlinebestellung stecken. Wir haben an der Customer Journey der fiktiven Kundin Lara teilgenommen, die gerne rote Kleider trägt. Natürlich tauchte in der anschließenden Fragerunde das Thema Datenschutz auf, die David Cordes jedoch zufriedenstellend beantworten konnte.

Content Marketing: Ganz sicherlich kein alter Hut

Die Damen von web-netz haben in ihrem Vortrag über Content Marketing einige Best Practices ausgepackt. Der Vortrag lebte von der Interaktion der beiden Speakerinnen und den anschaulichen Praxisbeispielen und nicht zuletzt auch von der Bücherverlosung im vollgestopften Hörsaal. Wer brav und vor allem richtig mitgeraten hat, durfte sich über ein bisschen Fachliteratur freuen. Somit hat die Präsentation den Vortragsinhalt perfekt widergespiegelt: Multimedialer Content und Aktionen wie Gewinnspiele stehen an der Spitze der Content-Pyramide.

Facebook ist tot – lang lebe Facebook?

Dank des Ratespiels wissen wir nun, dass Facebook sich zwar zunehmend zum Altersheim entwickelt (der durchschnittliche User ist immerhin 39 Jahre alt, nur sieben Jahre jünger als der Durchschnittsdeutsche), jedoch sind die älteren Nutzer auch die aktivsten und hier liegt auch die Kaufkraft. Ein anschauliches Beispiel par excellence für die Problematik bei der Erstellung von Buyer Personas hatten Adrienne Becker und Anna Marquardt ebenfalls im Gepäck: Die Gemeinsamkeiten von Prinz Charles und Ozzy Osbourne sind größer, als man denkt! Gleicher Geburtsjahrgang, gleiches Geburtsland, Hundebesitzer, Vorliebe für Urlaube in den Alpen – und trotzdem könnten die beiden nicht unterschiedlicher sein. Problem soweit klar?

Die beiden betonten außerdem, wie wichtig das Zusammenspiel von SEO und Social Media ist. Wenn beide Abteilungen in der Agentur oder im Unternehmen gut interagieren – unter anderem mit gemeinsam genutzten Redaktionsplänen – kann der Traffic gesteigert werden.

So war die Online Marketing Konferenz 2018

Best Practices: Von Schlaflosigkeit und Ice Cream Rolls

Anwendungsbeispiele aus der Praxis sehen wir alle immer am liebsten und wurden weder von den Damen von web-netz noch von anderen Speakern enttäuscht. Wir haben gelernt, dass Ikea in Frankreich gerne nachts auf Twitter zuschaut, was schlaflose Menschen bewegt. Zur Abhilfe bringt ein IKEA-Mitarbeiter ihnen in der gleichen Nacht eine neue Matratze. Wir haben ebenfalls gesehen, wie man veganen Käse verkauft, obwohl er gar nicht so heißen darf und auch eigentlich kaum in einem Geschäft zu kaufen war. Ein Appell schloss den Vortrag ab: Seht zu, dass die Technik stimmt – sonst bringt auch das beste Content Marketing nicht

Um uns zwischen dem ganzen Input und teilweise theoretischen Vorträgen eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, haben wir uns beim Vortrag von Gil Grobe entspannt. Videos auf Youtube über Eiscreme – genau das Richtige bei gefühlten 28 Grad im Unigebäude! Rund 2 Millionen Menschen schauen ihm mittlerweile zu, wie er Eiscreme mit zum Teil verrückten Zutaten auf einer kalten Platte zu Röllchen formt.

Mit Begeisterung erzählt er uns, wie er es geschafft hat, seinen Kanal aufzubauen: Vom Handyvideo aus Thailand über Eis-Tourismus in New York bis hin zum eigenen kleinen Studio zu Hause, natürlich inklusive eigener Kältemaschine. Ein richtiger Macher, charmant-verschmitzt – und wir hatten danach große Lust auf Eis. Da musste erneut eine süße, kalte Ahoj-Brause herhalten.

Vom Suchen und Finden: Was bringt die Zukunft?

Einen spannenden Blick in die Zukunft warf Prof. Dr. Dirk Lewandowski von der HAW Hamburg mit seinem Vortrag über “Google Assistant, Alexa & Co: Wie sich die Welt der Suche verändert”. Er erzählte, dass aktuell nur 1% von dem erreicht ist, was bei der Suche eigentlich möglich ist. Die Sprachsuche wird zwar relevanter werden, aber dennoch nicht alles andere ersetzen, sondern in neue Kontexte einbinden. Als Beispiel nannte er hier die Navigation und Steuerung von Multimedia-Anwendungen.

Fast schon philosophisch mutet die Frage an, was denn SEO ist, wenn es nur ein Ergebnis gibt. Denn charakteristisch für Alexa & Co ist, dass die Sprachsuche ähnlich wie die “Auf gut Glück”-Suche bei Google funktioniert. Es wird also nur noch ein Ergebnis angezeigt statt einer Liste von Ergebnissen. Die Gefahr der Verzerrung und Manipulation muss also gebannt werden. Der inhaltlich wirklich gute Vortrag war leider etwas theoretisch und trocken gestaltet, trotzdem aber sehr informativ.

Get fast, stay fast

Auch Norman Nielsen von brandkraft.de hat einen Blick in die Zukunft riskiert und behelligte uns mit einem lebhaften Vortrag über das Thema “Geschwindigkeit, Personalisierung, unterhaltsame und informierende Inhalte – So meistere ich diese 3 Erfolgs-Dimensionen in der Zukunft”. Fast schon entschuldigend stellte er sich uns als “Denglisch-Pro” vor und hatte damit die ersten Lacher auf seine Seite. Er beleuchtete das Thema Voice Search ebenfalls und wies darauf hin, dass Siri, Cortana und auch Alexa ihre Ergebnisse aus der Suchmaschine Bing beziehen. Hier lohnt es sich also, sich nicht nur auf Google zu fixieren.

Norman Nielsen stellte die personalisierte Suche und Navigation als zukunftsweisend dar, denn Männer brauchen keine Frauenpumps – meistens jedenfalls. Auch bei PWAs und AMPs sieht er großes Potential, denn sie sind schnell, im Offline-Modus verfügbar (wer beim Surfen in der U-Bahn sitzt, profitiert von vorab geladenen Seiten) und haben beispielsweise Zugang zu Kamera und Mikrofon, womit wir wieder beim Thema Visual und Voice Search wären. Nielsen gab uns mit auf den Weg: “get fast, stay fast!” und animierte uns fast schon schelmisch dazu, kostenlose Shirts bei Sistrix zu bestellen. Lustigerweise sprach er uns oft als Studenten an – sehen wir etwa so jung aus?

Unser Recap zur Online Marketing Konferenz 2018 in Lüneburg

Unser Fazit zur OMK 2018: Viele neue Denkanstöße

Unser Fazit fällt durchweg positiv aus. Die Mehrheit der Vorträge war praxisorientiert und spannend, die Speaker sowie Moderatoren sympathisch und die Themen bunt gemischt. Für uns war es vor allem auch ein Blick über den eigenen Tellerrand des Onlinemarketings. Die Organisation muss an dieser Stelle wirklich gelobt werden: Getränke und Essen waren immer reichlich vorhanden, unterzuckert waren wir zu keiner Zeit.

Für uns hat sich erneut die Tatsache bestätigt, dass die Qualität eines Vortrags maßgeblich vom Vortragenden abhängt. Leider war der Unterschied zwischen Speakern aus der Wirtschaft und von der Universität oft deutlich spürbar. Manche begeisterten sich sehr für ein Thema, konnten es aber leider nicht so deutlich und vor allem bildhaft vermitteln.

Kritikpunkte an der OMK 2018

Und da jetzt kritisiert werden darf: Leider war auch der ein oder andere Vortrag dabei, der inhaltlich keine neuen Impulse für uns brachte. Außerdem war die lange Anreise mit dem Shuttle im Berufsverkehr für uns und auch viele andere ein Hindernis, die After-Work-Party zu besuchen und der Grund für die Verzögerung bei der Begrüßung. Dadurch hat sich anfangs leider zeitlich alles etwas nach hinten verschoben und das ohnehin schon straffe Programm noch straffer gemacht. Und das Thema mit der Hitze darf nicht fehlen; beim nächsten Mal gerne mehr kühle Frischluft. Schade war auch, dass es Ausfälle bei den Speakern zu verzeichnen gab, diese wurden jedoch professionell gefüllt – erneutes Lob für die Organisation!

Wir haben für uns mitgenommen, dass wir den nächsten Besuch der OMK jedenfalls zeitlich anders gestalten würden. Zum einen würden wir später abreisen und die Party danach besuchen und zum anderen einen Slot freilassen, um mehr Zeit zum Netzwerken zu gewinnen. Aber eines steht fest: Wir würden es wieder tun!

 

Über den Autor

Frauke Reimringer
Frauke Reimringer
Texten aus Leidenschaft

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