Poststreik 2015 – wir waren dabei

Vier Wochen lang blieb die Post in weiten Teilen Deutschlands liegen. Behördenbescheide kamen nicht an, Rechnungen stapelten sich in Verteilerzentren oder blieben in der Tasche des streikenden Postboten – so genau wissen wir es nicht. Kleine Start-Ups waren vom Tarifkonflikt der Post genauso betroffen wie die großen Konzerne, doch der Streik hatte für sie unterschiedliche Konsequenzen. Für alle blieb abzuwarten, wie die angekündigten Tarifverhandlungen verlaufen würden.

Ein Beispiel aus eigener Erfahrung

Agenturen betreiben Akquise – unabhängig von der Unternehmensgröße ist das sicherlich kein Geheimnis. Obwohl wir als Online-Agentur in den Neuen Medien zuhause sind, haben wir für unsere letzte Kampagne, vor Bekanntmachung des Streiks, den klassischen Übermittlungsweg gewählt, um den Namen elsch&fink in die Welt zu tragen und auch weniger internetaffine Zielgruppen anzusprechen. Viel Zeit und kognitive Leistung wurden in Graphik und Content unserer Maßnahme investiert, um mit den neu kreierten Postkarten elsch&fink ins Gedächtnis potenzieller Kunden zu rufen.

Doch die erste Streikwelle erwischte uns in einer Phase, in der der Dienst der Deutschen Post AG eine zentrale Rolle einnimmt. Erste Reaktionen auf unsere Kampagne traten aus Münster bald ein. Die Grenzen der Stadt und insbesondere die unseres schönen Bundeslandes konnten wir allerdings lange nicht durchbrechen. Post in südlichere Gefilde landete über 3 Wochen nicht im Briefkasten der Empfänger und verweilt bis heute in Verteilerzentren.

„Über 80% der Briefe kommen pünktlich an“

So die Reaktion eines nicht streikenden Münsteraner Post-Mitarbeiters auf meine Nachfrage. Dennoch blieben Absender (wir) und Empfänger (vielleicht Sie?) erst einmal im Ungewissen über den Status des Zustellvorgangs. Eine kurze Verzögerung im Zustellprozess wäre verschmerzbar, eine wochenlange Blockade großer Teile des Postverkehrs stellte uns allerdings vor größere Hürden in der Akquise – die Folgen des Streiks waren deutlich weitreichender als zunächst angenommen.

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Transparentere Krisenkommunikation erwünscht

In Konzernen spielt die Kommunikation per E-Mail oder Telefon vermutlich eine größere Rolle als der Versand per Post. So erwischte es vor allem die kleinen Unternehmen eiskalt. Gerade die ersten Tage des Tarifkonflikts gestalteten sich eher undurchsichtig. Erste Hinweise gab uns der eigene Briefkasten, der bereits vor der offiziellen Bekanntgabe des Streiks ungewohnt leer blieb. Die Münsteraner Gerüchteküche brodelte schnell und der Flurfunk unserer Etage nahm exponentiell zu – bis zur ersten Bekanntgabe des Streiks sollte es allerdings noch einige Tage dauern.

Gedanklich waren wir noch bei den Lokführern, Piloten oder Erzieherinnen, die große Teile des öffentlichen Lebens bereits vor den Angestellten der Post lahm gelegt hatten und mediale Aufmerksamkeit genossen. Im Fall der Post wuchs allerdings schon bald die Ungewissheit und erste Fragen zum Verbleib unserer Postkarten kamen auf. Hätten wir die Entwicklungen des Tarifkonflikts bei der Post prognostizieren können? Mithilfe einer klaren Krisenkommunikation (besonders zu Beginn des Tarifkonflikts) hätten wir vermutlich weniger Hoffnung in ein frühzeitiges Streikende setzen müssen und rechtzeitig reagieren können – ja.

Auf den Paket-Mann war Verlass

Aus Solidarität für die weniger verdienenden, aber nicht zum Streik berechtigten Paketboten legten ihre besser bezahlten Kollegen die Arbeit nieder. Eine beeindruckende Solidarität, die uns dazu brachte, die neuesten Streik-Informationen aus erster Hand zu erfahren. Zu Beginn des sich anbahnenden Konflikts wurde der Paketbote so zu einer wichtigen Quelle, um Rückschlüsse auf den möglichen Versandstatus unserer Postkarten ziehen zu können. Wie wir selbst erfahren durften, ist in Zeiten mangelnder medialer Berichterstattung oft ein Zuwachs der Bedeutung von face-to-face Kommunikation zu beobachten. Geht der Name des „Stille Post-Prinzips“ eigentlich auch auf einen Tarifkonflikt der Post AG zurück? Behalten wir die Frage im Hinterkopf.

Vier Wochen Poststreik – und nun?

Nach Bekanntgabe erfolgreich verlaufender Tarifverhandlungen war die Freude bei uns im Haus groß. Sogar erste Briefe haben bereits ihren Weg in unseren Postkasten gefunden. Dennoch bleibt abzuwarten, wie schnell die Berge bisher liegen gebliebener Briefe abgearbeitet werden können. Ist die Zustellung sämtlicher Sendungen nach einem vier-wöchigen Streik eigentlich sichergestellt? Ich denke an ungeahnte Ausmaße nicht zugestellter Sendungen in den Verteilerzentren. Millionenfach müssen sich Rechnungen und Behördenbescheide stapeln – und höchst wahrscheinlich liegt irgendwo hier auch ein Teil unserer Postkarten. Doch wir sind guter Dinge – der Tarifstreit wurde niedergelegt und in den nächsten Tagen erhalten vielleicht auch Sie Ihre Karte von elsch&fink.

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Über den Autor

Tina Lindeburg
Junior Konzeptionerin / Texterin, bereit für Herausforderungen und immer auf der Suche nach neuen Trends im Web.

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