Tutorial: Scrolltiefe tracken mit dem Tag Manager – ohne Plugin und Code

Seit Neustem kann der Google Tag Manager in Kombination mit Google Analytics die Scrolltiefe tracken – und das, ohne dass ihr ein zusätzliches Plugin oder Skript installieren oder knöcheltief im Code waten müsst. In unserem Tutorial erklären wir Schritt für Schritt, wie ihr das Scrolltiefe-Tracking im Google Tag Manager einrichtet.

Wer eine Webseite hat, der interessiert sich normalerweise auch dafür, was die Webseitenbesucher dort so treiben. Die gängigen Metriken zum Tracken der Nutzersignale sind inzwischen hinlänglich bekannt – Besuchszeit, Absprungrate, gähn.

Nun kritisieren Experten aber immer wieder, dass diese “klassischen” Metriken nicht aussagekräftig genug sind, um das Nutzerverhalten wirklich zu erfassen. Bedeutet eine hohe Absprungrate nun, dass die Besucher unzufrieden wieder zu den Suchergebnissen zurückkehren, weil meine Seite zu schlecht ist – oder dass sie ihre Antwort gefunden haben und die Seite klüger verlassen, als sie gekommen sind? Und wie kann ich ausschließen, dass jemand bei einer Besuchszeit von fünfzehn Minuten nicht bloß vergessen hat, den Tab zuzumachen, als er einen Kaffee holen gegangen ist?

Profis tracken deshalb noch eine Reihe anderer Signale, darunter die Scrolltiefe. Sie gibt an, wie weit der Nutzer auf einer Seite heruntergescrollt hat. Daran kann man zum Beispiel erkennen, ob die Leute sich tatsächlich mit dem Content befassen oder die Seite unbesehen in einem vergessenen Tab vor sich hinvegetiert.

Mit Google Analytics ließ sich das aber bisher nicht tracken, ohne ein zusätzliches Plugin einzusetzen. Die meisten benutzten deshalb dafür Rob Flahertys Plugin Scroll Depth. Ein Blick auf die Seite verrät allerdings, dass man sich zumindest grundlegend mit Code auskennen muss, um das Plugin zu konfigurieren.

Für alle, die beim Begriff “Code” schreiend die Flucht ergreifen möchten, gibt es jetzt gute Neuigkeiten. Der Google Tag Manager hat jüngst ein Update verpasst bekommen und kann jetzt auch ohne Plugin und Code die Scrolltiefe tracken. Wer also wie ein Profi Nutzersignale erheben und auswerten möchte, der befolgt einfach unser Tutorial.

 

Scrolltiefe tracken mit dem Google Tag Manager – komplett ohne extra Skript oder Plugin Klick um zu Tweeten

 

Scrolltiefe tracken mit dem Google Tag Manager: Schritt-für-Schritt-Tutorial

Für die folgende Anleitung müsst ihr bereits ein Tag Manager-Konto eingerichtet haben. Wie das geht, steht zum Beispiel in der offiziellen Google-Hilfe.

Ist das Konto bereit, geht ihr vor wie folgt:

 

1. Das Konto öffnen. (D’oh!) Erstmal müsst ihr einen neuen Trigger einrichten, der jedes mal ausgelöst wird, wenn der Webseitenbesucher auf eurer Seite eine bestimmte Scrolltiefe erreicht.

 

Scrolltiefe tracken mit dem Google Tag Manager

 

2. Ihr legt also einen neuen Trigger an, gebt ihm einen aussagekräftigen Namen (hier “Scrolltiefe”) und wählt als Trigger-Typ aus dem Menü “Scrolltiefe” aus. (Wir schlagen folgendes Spiel vor: Für jedes Mal, dass in diesem Artikel das Wort “Scrolltiefe” steht, muss man einen Keks essen.)

 

Scroll Depth tracken mit dem Tag Manager

 

3. Nun wird der Trigger konfiguriert. Dazu wählt ihr zuerst aus, welche Scrollrichtung ihr tracken wollt (in der Regel ist das die Vertikale) und gebt dann an, bei wieviel Prozent Scrolltiefe der Trigger aktiviert wird. Alternativ dazu könnt ihr die Scrolltiefe auch in Pixeln tracken.

In unserem Beispiel wollen wir den Trigger bei 25, 50, 75 und 100 Prozent auslösen, und zwar auf allen Seiten. Scrollt also ein Webseitenbesucher bis zur Hälfte der Seite, wird der Trigger zweimal ausgelöst – einmal bei 25 Prozent und einmal bei 50 Prozent.

 

Der Google Tag Manager kann jetzt die Scrolltiefe tracken

 

Zudem habt ihr die Möglichkeit, den Trigger nur auf bestimmten Seiten einzusetzen. So könnt ihr zum Beispiel die Scrolltiefe nur in bestimmten Unterverzeichnissen tracken, etwa bei euren Blogbeiträgen.

 

Scrolltiefe tracken als wichtiges Nutzersignal

Der Trigger ist jetzt also da – aber das reicht noch nicht ganz. Damit wir in Google Analytics benachrichtigt werden, wenn er ausgelöst wird, brauchen wir noch einige zusätzliche Schritte.

 

4. Dazu müsst ihr zuerst neue Variablen aktivieren. Navigiert ins Variablenmenü, klickt auf den Button “Konfigurieren” und wählt aus dem Menü die vorprogrammierten Variablen unter “Scrollen” aus.

 

Tutorial fürs Monitoring der Scrolltiefe mit dem Tag Manager

 

5. Nun legt ihr ein Ereignis an, das dann in Google Analytics auftaucht, wenn der Trigger ausgelöst wird. Dazu ruft ihr das Tag-Menü auf und erstellt einen neuen Tag.

 

Scroll Depth Monitoring mit dem Google Tag Manager

 

Gebt dem neuen Tag einen Namen (hier “Scrolltiefe tracken”) und wählt als Tag-Typ “Universal Analytics” aus.

 

Scroll Depth Monitoring mit dem Tag Manager einfach gemacht

 

Die Tag-Konfiguration ist relativ einfach. Was ihr im Feld “Kategorie” eintragt, taucht übrigens später bei Google Analytics in der Übersicht der Ereignisse auf, wenn der Trigger ausgelöst und der Tag abgefeuert wird (mehr dazu gleich).

 

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Scrolltiefe tracken mit dem Tag Manager

Zuletzt müsst ihr noch eure Tracking-ID einfügen. Die findet ihr entweder in den Konfigurationen der anderen Tags, die ihr schon im Tag Manager angelegt habt, oder aber ihr navigiert zu eurem Google Analytics Account und ruft sie dort in der Übersicht eurer Propertys ab:

 

Google Tag Manager kann jetzt die Scrolltiefe tracken

 

Schließlich wählt ihr als Trigger für den Tag den Scrolltiefe-Trigger aus, den ihr gerade angelegt habt.

 

Google Tag Manager fürs Scrolltiefe tracken einrichten

 

6. Zu guter Letzt nicht vergessen, das Ganze auch zu veröffentlichen – sonst bleibt es nämlich wirkungslos.

 

Scrolltiefe tracken einfach gemacht mit dem Google Tag Manager

 

Tag Manager Daten in Google Analytics auswerten

Trigger und Tag sind eingerichtet, und ab sofort wird auf eurer Webseite getrackt, wie tief die Seitenbesucher jeweils scrollen.

Wo findet ihr aber jetzt die Ergebnisse?

Dazu müsst ihr wieder zu Google Analytics navigieren. Hier ruft ihr unter “Verhalten” die Ereignisse auf.

 

Google Tag Manager fürs Tracking der Scrolltiefe konfigurieren

 

Hier ist gut zu sehen, dass 15 Ereignisse ausgelöst wurden. Da “Scroll Depth” in diesem Beispiel die einzige Kategorie von Ereignissen ist, die getrackt wird, können wir also davon ausgehen, dass es sich dabei tatsächlich um 15 Scroll Depth-Ereignisse handelt.

Richtig interessant wird es aber, wenn ihr euch die Ereignisaktion als primäre Dimension mit dem Ereignislabel als sekundäre Dimension anschaut. Beim Konfigurieren des Tags in Schritt 5 hattet ihr ja angegeben, dass als Aktion der Seitenpfad abgespeichert wird, als Label die erreichte Scrolltiefe. So könnt ihr sehen, auf welchen Seiten das Ereignis ausgelöst wurde und wie tief die Besucher jeweils gescrollt haben.

Um das zu verdeutlichen, hier ein Beispiel von unserer Webseite, und zwar am Morgen, nachdem wir das Tracking der Scrolltiefe mit dem Google Tag Manager eingerichtet hatten:

 

Monitoring der Scrolltiefe mit dem Google Tag Manager

 

Auf unserer Startseite hat jemand 75 Prozent nach unten gescrollt – es wurden also drei Ereignisse ausgelöst (bei 25, 50 und 75 Prozent). Gleiches gilt für unseren Blogartikel “So viel zum Pitch”. Das Tutorial für den Revolution Slider dagegen hat jemand offenbar bis zur Hälfte gelesen.

Übrigens: Es kann einige Stunden oder sogar einen Tag dauern, bis die ersten Ergebnisse in Analytics auftauchen. Also nicht ungeduldig werden!

 

Google Tag Manager kann Scrolltiefe ohne zusätzliches Skript oder Plugin tracken. Tutorial: Klick um zu Tweeten

 

Und die Moral von der Geschicht’?

Scrolltiefe tracken einfach gemacht: Klingt erstmal wie ein Traum. Allerdings kann man mit der neuen Funktion des Tag Managers nur grundlegend in Prozent oder Pixeln erheben, wie weit ein Besucher die Seite herabgescrollt hat.

Komplexeres Tracking – wie etwa, bis zu welchem konkreten Element auf der Seite gescrollt wurde und wie lange sich der Seitenbesucher das Element angesehen hat – ist damit nicht möglich (das geht dann mit dem Element Visibility Trigger). Trotzdem: Unterm Strich wurde der Google Tag Manager um eine extrem sinnvolle Funktion erweitert, die auch noch verhältnismäßig einfach einzurichten ist.

Wer dem Tutorial bis hierhin gefolgt ist, der hat übrigens nicht nur erfolgreich das Tracking der Scrolltiefe ohne Code und Plugin implementiert, sondern auch 18 Kekse verputzt. Wenn das nicht eine reife Leistung ist!

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Über den Autor

Lea Gallon
Leitung Digitales Marketing und Kommunikation - Ideen und Texte mit Sinn und Verstand, ohne Rechtschreibfehler.

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