Von Arbeitsmoral und Topfpflanzen

„Das Arbeitsklima ist das einzige Klima, das man selbst bestimmen kann.“ – Volksmund

Wie so häufig tut auch in diesem Fall der Volksmund Wahrheit kund. In der heutigen Zeit lockt den Arbeitnehmer weder nur das Versprechen eines dicken Gehalts, noch die Aussicht auf reichlich Urlaub. Ein gutes Arbeitsklima ist zu einem relevanten Punkt für die Jobwahl geworden.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob dieser neue Trend auf die rasante Gründung von mehr und mehr Start-Up-Unternehmen zurückzuführen ist (Berlin verwandelt sich zunehmend in ein sprießendes Biotop für Jungunternehmen) und die daraus resultierende mediale Belobhudelung über das hippe und innovative Arbeitsklima, was in Start-Ups vorwiegend vorherrscht.

Starter vs. Etablierte

Tatsache ist, dass die junge Generation ein anderes Bild von Arbeit und Arbeitsplatz hat als die Generationen vor ihr. Arbeiten wird nicht mehr als notwendiges Übel betrachtet. Vielmehr geht es um Selbstverwirklichung und Freude am Beruf. Die Wortherkunft (“Beruf“, abgeleitet von “Berufung“) wird mehr und mehr zur Lebenseinstellung.

Hier liegt wohl auch des Pudels Kern. In jungen Start-Ups bestimmt ein erfrischendes Betriebsklima das Bild. In alteingesessenen, etablierten Betrieben wird auf das Klima angeblich weniger Wert gelegt, zumindest sofern es sich nicht um die Temperaturregelung der Heizung handelt.

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Vorab muss natürlich die lange Entwicklung des Begriffes Betriebsklima genannt werden. Angefangen hat alles beim Taylorismus und dem Vorherrschen des Angestellten als leistungsbringenden Maschinenmenschen. Nach und nach kam dann der Gedanke auf, dass nicht straffe Führung und strikte Vorgabe von Aufgaben ertragsbringend sind, sondern eine Arbeitsatmosphäre, die den Mitarbeitern zusagt und ihnen Freiraum in ihrem Arbeitsablauf lässt. Heute treffen wir in sehr vielen alteingesessenen Unternehmen eine Mischform an, die aber deutliche Tendenzen zur hierarchischen Strukturen aufweist.

Genau an diesem Punkt unterscheiden wir uns als Start-Up vom gängigen Prinzip. Wir bilden das neue, sogenannte Duz-Klima. Wir sind überzeugt, dass unsere Auffassung von Arbeitsklima richtig und zukunftsweisend ist. Wie sieht es bei den etablierten Firmen aus? Halten sie absichtlich an Distanz und Rangfolge fest, weil es altbewährt und ganz offensichtlich auch gewinnbringend ist oder ist es einfach schwer alte Strukturen zu durchbrechen?

Um unsere Idee von Betriebsklima zu veranschaulichen, muss erst einmal der Begriff geklärt werden. Betriebsklima drückt nichts anderes als die Beschreibung der Atmosphäre am Arbeitsplatz aus, welche vom Verhalten der Geschäftsführung und der Angestellten bis zur Gestaltung des Arbeitsplatzes reicht. Es hängt von mehreren Faktoren ab, ob diese Atmosphäre nun positiv oder negativ ist.

1. Das Verhalten der Geschäftsführung

In vielen Großkonzernen hat der Chef das alleinige Sagen und lässt sich auch nur höchst sporadisch auf den Fluren des Unternehmens blicken, geschweige denn im Gespräch mit seinen Angestellten. Der Anspruch der Geschäftsleitung sollte aber aus regem Meinungsaustausch und Begegnungen auf Augenhöhe bestehen. Eine flache Hierarchie ist gewinnbringender als das Auftreten als Alphawolf. Ideeneinbringung sollte jederzeit von jedem Mitarbeiter möglich sein. In der Realität hängt das kreative Engagement noch zu sehr vom Erlangen einer höheren Position ab. Eine sehr eingestaubte Sichtweise.

2. Der Informationsfluss

Betriebliche Neuigkeiten sollten von der Geschäftsführung zeitnah an die Mitarbeiter übermittelt werden. Es ist wichtig, offen zu kommunizieren, damit kein Gefühl von Wertlosigkeit und Kleinhaltung aufkommt. Die Angestellten sind schließlich die wichtigsten Mitglieder des Unternehmens und ihnen sollten Informationen nicht ewig vorenthalten werden.

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3. Respektvoller Umgang unter den Kollegen

Man kann sich seine Kollegen natürlich nicht aussuchen, aber ein höflicher Umgang mit ihnen ist schon die halbe Miete für einen angenehmen Arbeitstag. Leider ist es so, dass ein häufiger Kündigungsgrund auf ein schwieriges kollegiales Verhältnis zurückgeht. Das große Fass namens Mobbing wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst öffnen. Kleine Gespräche zwischendurch, die sich nicht zwangsläufig nur um die Arbeit drehen müssen und gemeinsame Pausen sollten an der Tagesordnung sein. Das sorgt für eine ausgeglichene Stimmung und ein besseres Kennenlernen untereinander.

4. Gestaltung des Arbeitsplatzes

Die Umgebung als solche sollte in Hinblick auf das Wohlgefühl keinesfalls unterschätzt werden. Kaltes Licht, kahle Räume und eine Schreibtischausstattung die nur auf das Nötigste reduziert ist, laden nicht gerade zum Verweilen ein. Da ist der Angestellte froh, wenn er die Räume am Ende des Arbeitstages hinter sich lassen kann. Es braucht gar nicht mal viel, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Vorbilder à la Silicon Valley, die ihren Mitarbeitern durchgestylte Büroräume, kostenlose Verpflegung und Freibier bieten, sind doch eher utopisch anzusehen. Ein paar Topfpflanzen auf der Fensterbank, ein paar Farbtupfer an der Wand (Bilder oder Poster) und ein warmes Licht in Form einer Schreibtischlampe genügen vollkommen. Auch eine kleine Küche, ausgestattet mit Kaffeemaschine und Kühlschrank, unterstützt ein positives Gefühl.

Um ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern: In unsere Büroräume sind auch erst letzte Woche drei Topfpflanzen eingezogen. Unter anderem ein kleiner Zierspargel, der auf den Namen Zacharias getauft wurde und gute Chancen auf die Position des Büromaskottchens hat.

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Zacharias Zierspargel

5. Identifikation und Loyalität

Hier sind wir wieder an dem Punkt Arbeitsmoral: Die Arbeit ist heutzutage Teil der Lebenserfüllung. Wenn sich der Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifiziert, setzt er auch alles daran, dass es auf dem Markt erfolgreich ist. Ohne Identifikation schleppen sich die Arbeitnehmer jeden Morgen widerwillig und lustlos zu seinem Job – dem notwendigen Übel, das die Miete zahlt. Identifikation und Loyalität entstehen natürlich durch Anerkennung und dem Gefühl ein produktiver Teil des Betriebes zu sein.

Und das Fazit?

Eigentlich sollten diese Punkte nicht als neuer Trend der Arbeitswelt, sondern als selbstverständlich angesehen werden. Aber es wird offenbar noch seine Zeit brauchen, bis auch der letzte Arbeitgeber von seinem Modell der Alten-Schule abweicht. Bis dahin wird das für Start-Ups typische Betriebsklima wohl noch weiterhin als innovativ und die Jungunternehmer als die neuen Freigeister der Wirtschaftswelt angesehen werden.

 

Bildquellen: stocksnap.io (unter CC0), elsch&fink

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Über den Autor

Jana Viefhues

Junior Account Managerin – mit Herzblut.

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